Am Donnerstag, dem 23. Januar 2014, fand im Rahmen des forum zeppelin in unserer Aula ein interessanter Vortrag zum Thema Transplantationsmedizin statt. Referent war Prof. Dr. Jan-Christoph Galle, Direktor der Klinik für Nephrologie und Dialyseverfahren im Klinikum Lüdenscheid und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie. Professor Dr. Galle ist als Facharzt für Nierenerkrankungen seit vielen Jahren mit den medizinischen und ethischen Fragen der Transplantation befasst.

Und so bewegte sich auch sein Vortrag zwischen diesen beiden Polen, die schon im Titel anklingen: Zum einen dem Skandal, der Deutschland erschüttert hat als bekannt wurde, dass das streng überwachte Verteilsystem für Spenderorgane ausgetrickst wurde, um nach persönlichem Gutdünken eines einzelnen Arztes Patienten in der Warteliste für ein neues Organ weiter nach oben zu bringen, als ihre medizinischen Daten es zugelassen hätten; zum anderen der Erlösung für Patienten, die nach jahrelanger Wartezeit endlich ein passendes Spenderorgan erhalten haben und damit - im Falle einer neuen Niere - von ihrem Alltag als Dialysepatient erlöst worden sind.

In seinem faktenreichen Vortrag vermittelte Prof. Galle der Zuhörerschaft ein Bild über Zahlen zur Organtransplantation im europäischen Vergleich, wie etwa die Wartezeitentwicklung vor und nach dem "Organverteil-Skandal" in Deutschland, den streng formalisierten Ablauf einer Organspende vom tragischen Unfallereignis des Spenders über die Formalitäten der "Todesfeststellung" bis hin zur schließlich erfolgenden Organimplantation oder die Entwicklung des aktuellen deutschen Transplantationsgesetzes.
Dabei trat Prof. Galle überzeugend für seine Position zur Organspende ein: Der "Organspende-Skandal" ist ein "Verteil-Skandal": Streng nach gesetzlicher Lage freigegebene Spenderorgane sind anders unter den Patienten verteilt worden, als es die deutsche Gesetzeslage zur Organspende aus gutem Grund vorsieht. Das verheerende für die Patienten ist die durch diesen Skandal dramatisch angewachsene Wartezeit auf ein Spenderorgan, da viele Patienten dieses Warten mit dem Tod bezahlen.

Und so kommt Prof. Galle zu dem dringenden Appell an alle Menschen über 16 Jahre, über das Thema Organspende für sich persönlich nachzudenken. Es gibt keine richtige oder falsche Entscheidung bei der Frage, ob man einen Organspendeausweis ausfüllt oder nicht. Aber die Entscheidung sollte auf ernsthaften Überlegungen beruhen.

Diese Überlegungen sind durch den kompetenten Vortrag an diesem Abend für alle Zuhörer sicher nicht nur angestoßen sondern auch mit soliden Fakten unterfüttert worden.

Und so setzt dieser Vortrag die inzwischen schon einige Jahre am Zeppelin-Gymnasium bestehende erfolgreiche Tradition fort, junge Menschen in die Lage zu versetzen, begründet eine persönliche Entscheidung in puncto Organspendeausweis zu treffen, bei der alljährlich Dr. Christoph Mohler (niedergelassener Nephrologe aus Lüdenscheid) die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q1 der beiden staberger Gymnasien in einem einstündigen Vortag zur Organspende informiert.

Bericht und Fotos: Frau Schrameyer

 

 

 

 

 

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